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Auslandsbericht USA

 

Freiwillige Feuerwehr auf Amerikanisch -
Ähnlicher als ich dachte

(Bericht und Fotos: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Als engagierter Feuerwehrmann interessiert man sich natürlich dafür, wie Feuerwehr in anderen Ländern funktioniert. Gibt es dort überhaupt freiwillige Feuerwehren, wie wird alarmiert und wie sind die Fahrzeuge aufgebaut? All diese Fragen, und noch einige mehr, habe ich mir auf dem "Open Firehouse Day" (Tag der offenen Tür) in Stony Brook, New York von den amerikanischen Kollegen beantworten lassen.

 

(Blick auf das Gerätehaus. Auf dem Open Firehouse Day zeigte auch die Polizei ihre Streifenwagen.)

 

Zunächst ein paar Eckdaten zu Stony Brook und seiner freiwilligen Feuerwehr. Stony Brook hat ungefähr 13.000 Einwohner, ist also durchaus mit Lich, inklusive Stadtteilen, vergleichbar. Die 82 Einsatzkräfte arbeiten gut 250 Einsätze pro Jahr ab. Dafür stehen ihnen zwei Gerätehäuser mit vier Löschfahrzeugen (Engine), einer Drehleiter (Ladder), ein Fahrzeug für ABC Einsätze (Hazmat), ein Fahrzeug für technische Hilfeleistung  & Wasserrettung (Technical Rescue) und ein Krankenwagen (Ambulance) zur Verfügung. Im Zuständigkeitsbereich der Feuerwehr Stony Brook liegt selbstverständlich der Ort Stony Brook selber, die Hälfte des Campus der Stony Brook University, einige "Bundesstraßen", eine Bahnstrecke sowie einige kleine Seen und der Jachthafen am Meer.

 

Alarmieren und Ausrücken:

Der Chief (vergleichbar mit Stadtbrandinspektor) hat einen Jeep, den er mit nach Hause nimmt. Er ist meistens als erster an der Einsatzstelle und kann mit seiner Ausrüstung neben der Lageerkundung auch schon einige Sofortmaßnahmen, wie absperren der Unfallstelle, löschen mittels Feuerlöscher und medizinische Erstversorgung ergreifen.

 

(Der Chief ist Einsatzleiter und First Responder gleichzeitig.)

 

Alarmiert wird hier, genauso wie bei uns, über Piepser und/oder Sirene. Und wie man sich vorstellen kann geht die Sirene relativ oft, bei 250 Einsätzen im Jahr.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie mehr zum Thema: Technik und Ausrüstung

 


 

Technik und Ausrüstung:

(Hier gilt die Devise: Chrom statt Plastik!)

 

Die meisten Fahrzeuge der freiwilligen Feuerwehr Stony Brook stammen aus den neunziger Jahren. Ein Löschfahrzeug ist etwas jünger, dafür das Fahrzeug für die technische Hilfeleistung und Wasserrettung etwas älter. Die Ausrüstung der Fahrzeuge ist zeitgemäß und üppig, die Werkzeuge, wie z.B. Halligan Tools usw. wirken stark beansprucht, was auf die häufigen Einsätze zurückzuführen ist.

 

(Löschfahrzeug mit insgesamt 10 Sitzplätzen)

 

Was mir bei den amerikanischen Fahrzeugen besonders aufgefallen ist, war das jeder Platz mit einem Atemschutzgerät ausgestattet ist. Die einzige Ausnahme ist hier der Fahrer. Da das abgebildete Fahrzeug über insgesamt zehn Plätze verfügt, macht das stolze neun ausgerüstete Atemschutzgeräteträger in einem Fahrzeug! Als ich den Kollegen erzählte, dass bei uns zwei Geräte pro Fahrzeugkabine üblich sind, schauten sie etwas ungläubig. Selbst in der Drehleiter sind vier von sechs Plätzen mit Atemschutzgeräten ausgestattet. 

 

(Beifahrersitz mit Atemschutzgerät)

 

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es hier nur Oberflurhydranten. Und auch wenn in jedem zweiten amerikanischen Film ein Hydrant umgefahren wird, scheinen diese sehr robust zu sein. Im folgenden Bild sieht man das Heck eines Löschfahrzeuges. Das mit dem Schlauch verbundene Kupplungsstück wird von den Kollegen kurzerhand an den Hydranten angeschlossen um dann fahrend bis zu 350 Meter Schlauch zu verlegen. Neben den 350 Metern des 4 Inch (ca. 10cm) Durchmesser Schlauches sind auf dem Fahrzeug noch weitere hunderte Meter verschiedener kleinerer Schlauchgrößen verlastet. Schnellangriff-Einrichtungen wie wir sie kennen, sucht man auf den Fahrzeugen hier vergeblich. Üblicherweise sind Schlauchpakete mit bereits montiertem Strahlrohr verladen.

 

(Heck eines amerikanischen Löschfahrzeugs mit dem Schwerpunkt Wasserversorgung lange Wegestrecke.)

 

Im Inneren der Fahrzeuge sind keine weiteren Besonderheiten zu finden. Funkgeräte und Taschenlampen, wie bei uns auch, zieren das sonst schlichte Interieur. Übrigens sind nicht alle Fahrzeuge für zehn Personen ausgelegt. Eine Systematik in der Anzahl der Sitzplätze konnte ich nicht entdecken. Die Löschfahrzeuge haben fünf bis zehn Plätze.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie mehr zum Thema: Technik und Ausrüstung Teil II

 


Technik und Ausrüstung Teil II

Die Pumpe, die in dieser oder ähnlicher Form in jedem Fahrzeug verbaut ist, wirkte auf mich ein wenig unübersichtlich. Dafür findet man aber wieder einige liebevoll verchromte Teile. Tragkraftspritzen habe ich keine zu Gesicht bekommen.

 

 

(Einbaupumpe)

 

Wie viel Wasser die einzelnen Fahrzeuge transportieren und die Pumpen fördern können, konnte ich leider nicht herausfinden. Hier habe ich einfach zu viele Informationen gleichzeitig in amerikanischen Einheiten (Gallonen) bekommen, die ich mir vor lauter Umrechnerei nicht merken konnte. Die Wasserführenden Armaturen ähneln unseren sehr. Hohlstrahlrohre gehören zum Standard. Außerdem führt jedes Fahrzeug Feuerlöscher für verschiedene Brandklassen mit sich.

 

(Geräteraum)

 

Um noch einmal auf die immense Anzahl an Atemschutzgeräteträgern einzugehen - Hier verbergen sich zusätzlich zu den Geräten in der Kabine acht komplette Atemschutzgeräte plus Ersatzflaschen in einem Geräteraum:

(Geräteraum mit 8 Atemschutzgeräten und 8 Ersatzflaschen)

 

Ein anderes Löschfahrzeug hatte sogar 29 Atemschutz-Ersatzflaschen an Bord.

 

Auf der nächsten Seite erfahren Sie mehr zum Thema: Spezialfahrzeuge der Feuerwehr Stony Brook.

 


 

Spezialfahrzeuge:

Wie weiter oben bereits berichtet verfügt die freiwillige Feuerwehr Stony Brook über eine Drehleiter, ein ABC Fahrzeug und ein Fahrzeug für die technische Hilfeleistung und Wasserrettung.

Die Drehleiter verfügt über keinen Korb, wie er bei uns mittlerweile üblich ist. Die Länge der Leiter beträgt 100 Feet, was ungefähr 30,5 Metern entspricht. Insgesamt wirkt das Fahrzeug schwerfällig. Dies liegt unter anderem daran, dass die Drehleiter gleichzeitig Löschfahrzeug ist und sogar Wasser an Bord hat.

 

(Drehleiter und Löschfahrzeug in einem)

 

Das Fahrzeug für technische Hilfeleistung und Wasserrettung verfügt über sehr viel Ausrüstung. Ein Schlauchboot, mehrere Wasserrettungs-Thermo-Anzüge, die laut dem Bericht eines Kollegen auch schon im Einsatz waren und eine Vielzahl an Werkzeugen für die technische Hilfeleistung nach Verkehrsunfällen. Hierzu zählen eine Vielzahl von Halligan-Tools, zwei Hydraulikaggregate, ein älterer und ein neuer Spreiz- und Schneidsatz (Jaws of Life), einige Hydraulikzylinder sowie pneumatische Hebekissen. Wie oben bereits erwähnt ist dieses Fahrzeug ein etwas älteres Baujahr. Die Ausrüstung ist aber absolut up-to-date.

 

(Fahrzeug für technische Hilfeleistung VU und Wasserrettung)

 

Das unten abgebildete Fahrzeug für ABC Einsätze ist nicht nur für Stony Brook sondern auch für den Regierungsbezirk Brookhaven mit mehr als 470.000 Einwohnern zuständig. Neben Chemieanzügen, Dekontaminationsausrüstung und Wärmebildkamera haben mir die Kollegen die Messgeräte für Gefahrstoffe gezeigt. Hierunter ein Messgerät für feste und flüssige Substanzen und eines für Gase.

 

(ABC Fahrzeug; Hazardous Materials, kurz: Hazmat)

 

Auf der nächsten Seite gehe ich etwas näher auf die Öffentlichkeitsarbeit der freiwilligen Feuerwehr Stony Brook ein.

 


Öffentlichkeitsarbeit:

Die Feuerwehr Stony Brook betreibt eine eigene Homepage die leider nicht ganz so oft aufgefrischt wird wie unsere. Alle notwendigen Informationen sind jedoch zu finden und es gibt einen internen Teil der Homepage, den nur Mitglieder erreichen können um Übungspläne usw. einzusehen.

 

Wie oben bereits berichtet, hat die Feuerwehr Stony Brook 82 Einsatzkräfte. Im Vergleich zur FF Stadt Lich mit aktuell 237 aktiven Frauen und Männern, scheint das recht wenig zu sein. Jedoch muss man sich vor Augen führen, dass es sich auch nur um zwei Standorte handelt und die Fläche, die abgedeckt werden muss, nicht so groß ist wie der Licher Bereich.

 

Allgemein genießt die freiwillige Feuerwehr in den USA ein sehr gutes Ansehen. Sogar die Privatwirtschaft verwendet das positive Image der freiwilligen Feuerwehr in Werbespots. In dem Werbespot eines Batterieherstellers wird neben dem Werben für das eigene Produkt darauf aufmerksam gemacht, dass 70% der Feuerwehrleute in den USA freiwillige sind. Eine Zahl, die in Deutschland noch weitaus höher ist (>95%). Es wäre auch für Deutschland wünschenswert solche Zahlen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Den Werbespot können Sie sich hier ansehen (die Verlinkung dieses Videos dient lediglich der Untermalung des Ansehens der freiwilligen Feuerwehren in den USA. Wir verfolgen keine kommerziellen Zwecke!)

 

Was gehört noch zur Öffentlichkeitsarbeit? Natürlich der jährlich stattfindende Tag der offenen Tür. Aufmerksam geworden auf diese Veranstaltung bin ich durch eine große Werbetafel am Straßenrand. Die Kollegen haben sich für ihren Tag der offenen Tür, genauso wie wir es auch immer wieder tun, ziemlich ins Zeug gelegt. Ausstellung aller Fahrzeuge, insgesamt drei spannende Vorführungen, Essen und trinken umsonst, eine Geschenktüte für Kinder und Jugendliche und und und...

 

Die Vorführungen umfassten das Schaffen einer Entlüftungsöffnung auf einem "Dach", das Zerschneiden eines Autos sowie die Vorführung eines brennenden Sofas in einem Zimmer.

 

(Sägen einer Entlüftungsöffnung für Rauch und Hitze an einem nachgestellten Dach.)

 

Soweit ich das mitbekommen habe, ist es sehr üblich in den USA ein Loch in das Dach eines brennenden Wohnhauses zu sägen um anschließend mit dem Überdrucklüfter den Rauch und die Hitze aus dem Gebäude zu blasen. Falls es jedoch keinen direkten Durchgang zwischen Wohnbereich und Dach gibt, kann das auch noch hinten losgehen, weil man das Feuer dann mit Sauerstoff nährt. In unseren Breitengraden wäre das Einsägen des Daches in den meisten Fällen schlicht und einfach nicht möglich, da wir Ziegeldächer mit darunter liegender Isolation haben. In den USA sind unisolierte Holzdächer mit Dachpappe die Regel und diese Vorgehensweise somit durchaus sinnvoll.

 

(Dieser Jeep wurden von den Kollegen in einer Vorführung zerlegt.)

 

Die zweite Vorführung war das Befreien einer verletzten Person aus einem PKW. Routiniert wurde der "Einsatz" abgearbeitet. Wie bereits weiter oben beschrieben, war der Chief der erste an der "Einsatzstelle" (on scene). Die Ergebnisse seiner Erkundung gab er direkt an den Gruppenführer des eintreffenden Fahrzeugs für technische Hilfeleistung weiter. Ganz allgemein sind mir keine großen Unterschiede zu unserem Vorgehen aufgefallen. Lediglich, dass direkt von Anfang an mit zwei Schneidsätzen gleichzeitig gearbeitet wurde. Ein Trupp auf der linken, einer auf der rechten Seite trennten die Fahrzeugsäulen durch. Gemeinsam mit dem Rettungsdienst wurde die verletzte Person anschließend befreit.

 

(Befreien des "Verletzten" aus dem zerlegten Fahrzeug.)

 

Während der Veranstaltung hat der Moderator immer wieder Werbung für die Arbeit in der freiwilligen Feuerwehr gemacht. Jedoch immer mit dem Hinweis darauf wie anstrengend und zeitaufwändig die Arbeit in der Feuerwehr sein kann. Auch eine Art Jugendfeuerwehr gibt es hier. Teilnehmen können Jugendliche ab 14. Mehr konnte ich zu diesem Thema nicht herausfinden.

 

Auf der nächsten und letzten Seite berichte ich über den "Feuerwehrverein" Stony Brook.

 

 


 

"Feuerwehrverein":

Wahrscheinlich wundern Sie sich jetzt, warum ich Feuerwehrverein hier in Anführungszeichen gesetzt habe. Dieser Teil der Feuerwehr Stony Brook wirkte auf mich wie unser Vereinspart. Ob es sich allerdings tatsächlich um einen Verein handelt, konnte ich nicht abschließend klären.

 

Genauso wie die Freiwillige Feuerwehr Langsdorf hat man 2009 in Stony Brook ein Jubiläum gefeiert. Hier ist man allerdings schon 25 Jahre weiter:

 

(Wappen zum 100-jährigen Jubiläum der freiwilligen Feuerwehr Stony Brook.)

 

Und auch dieser Part hier kommt mir sehr bekannt vor. Allerdings marschierten die Kameraden hier anlässlich einer Parade an einem Gedenktag.

 

(Feuerwehr Stony Brook bei einem Umzug anlässlich eines Gedenktages. Quelle Homepage der Feuerwehr Stony Brook.)

 

Zuletzt möchte ich noch das Schmuckstück der Kollegen vorstellen. Ein Feuerwehrfahrzeug der Marke Mack aus dem Jahr 1932. Das Fahrzeug ist sehr aufwändig restauriert. Die gesamte Ausrüstung des Fahrzeuges ist original und war früher im Einsatz, wie mir berichtet wurde. Wenn Sie noch mehr Informationen zu diesem historischen Fahrzeug haben wollen, besuchen Sie die Seite der Feuerwehr Stony Brook. Sie können sich die Seite mit üblichen Übersetzungsprogrammen ins Deutsche übersetzen lassen.

 

(Historisches Fahrzeug der Marke Mack aus dem Jahr 1932.)

 

Das war es dann auch schon, was ich über den Open Firehouse Day der freiwilligen Feuerwehr Stony Brook berichten kann. Ich hoffe Sie fanden meinen Bericht so spannend wie ich die Begegnung mit den amerikanischen Kollegen. Abschließend kann ich den Titel dieses Berichtes nur wiederholen: Freiwillige Feuerwehr auf Amerikanisch - Ähnlicher als ich dachte. Meiner Meinung nach der Beweis für ein anscheinend weltweit bewährtes Prinzip der Nächstenhilfe.

Vielen Dank für Ihr Interesse

 

Noch ein paar abschließende Worte zu meinem Bericht. Die hier wiedergegebenen Daten stammen alle aus persönlichen Konversationen mit amerikanischen Kollegen und subjektiven Erfahrungen vom Tag der offenen Tür der Feuerwehr Stony Brook. Ich denke nicht, dass das System aus dem Staat New York in den ganzen USA Anwendung findet. Bei Fragen oder Anregungen schreiben Sie mir einfach eine Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 20. Oktober 2019

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